Real Life

Reservierung ad absurdum

Posted in Real Life on October 21st, 2010 by admin – Be the first to comment

Reservierungen in der Bahn sind ein absurder Weg, aus einer planerischen Unfähigkeit (nämlich jedem zahlenden Mitfahrer einen Sitzplatz zur Verfügung zu stellen) ein Geschäftsmodell zu machen.

Reservierungen stellen jedoch für “nicht reservierende” Pendler meistens kein wirkliches Problem dar, denn man kann gut abschätzen, wann eine solche wirklich nötig ist und in welchem Zug immer ausreichend Plätz vorhanden sind. Keine generelle Reservierung zu haben ist also in diesem Fall kein Nachteil.

Dreist finde ich jedoch das Vorgehen der Bahn, in einigen Zügen einfach alle Plätze als reserviert zu markieren – und das obwohl die Anzeigetafeln komplett digitalisiert sind und die Daten für Reservierungen zentral vorliegen. Statt wie in normalen Zügen den Einsteigenden also kenntlich zu machen, auf welche Plätze sie sich auch ohne Reservierung setzten können, spielt die Bahn mit diesen Reisenden “3. Klasse” russisches Roulette nach dem Motto: “Es ist egal wohin du dich setzt, wenn aber einer mit Reservierung kommt steh’ gefälligst auf.” Am besten fühlt man sich dann auch noch schuldig, schließlich sitzt man ohne Reservierung auf einem reservierten Platz.

Das Ziel ist klar: Wer sich darüber ärgert, dass er selbst bei mittelmäßig ausgelasteten Zügen von seinem Platz vertrieben wird, der kauft sich vielleicht in Zukunft auch eine Reservierung.

Zum Mitmeißeln: Waren Reservierungen früher nur dann nötig, wenn alle Sitzplätze absehbar besetzt sind, sind in solchen Zügen Reservierungen die einzige Möglichkeit, sich nicht dauernd Gedanken machen zu müssen, ob man nicht am nächsten Bahnhof von seinem Platz gescheucht wird.

So etwas nennt man heutzutage wohl “Service am Kunden”. Früher nannte man so etwas Schutzgeld.