Politik

Integration

Posted in Politik on October 24th, 2010 by admin – Be the first to comment

Die momentane Integrationsdebatte ist an Spießbürgerlichkeit eigentlich kaum noch zu überbieten. Da schreibt ein Möchtegern-Intellektueller über die angebliche Islamisierung Deutschlands (als ob der in seinem dicken Benz irgendeinen Bezug zur Realität hätte) und schon fühlen sich haufenweise (nicht nur CDU-)Politiker dazu berufen, das untergehende Abendland mit an Popularismus kaum zu überbietenden Ideen zu retten.

Um solche Thesen weiter zu befeuern, hat das deutsche Qualitätsfernsehen natürlich nichts besseres zu tun, als naiv aussehende Muslime zu interviewen, wie sie den zur Steinigung bei Ehebruch im Koran (sic!) stehen. Klar, irgendwann sagt einer irgendwas wie “Was im Koran steht, ist für uns Gesetz, aber [Schnitt]” und RTL2 ist zufrieden. Ich will gar nicht wissen, was es für einen Aufschrei geben würde, wenn man irgendeinen katholischen Würdeträger vor laufender Kamera fragen würde, ob sie bei Ehebruch eine geringere Strafe als die in der Bibel vorgeschriebene Tötung (Deut. 22:22) akzeptieren könnten: Nein, das wäre da Blasphemie. Wir Deutschen wissen ja, dass Christen intelligent genug sind, solche Texte im historischen und sozialen Kontext zu sehen und daher nie so etwas wörtlich nehmen würden. Nur Muslime sind alle dumm und halten sich ohne Nachzudenken an einen uralten Text. (Achtung, Ironie! Viel zu viele halten scheinen leider wirklich so zu denken…)

Genaus so doppelmoralisch ist die abstrakte Angst vor islamischen Terroristen (Wann gab’s da den das letzte mal? Selbst 9/11 war kein religiöser Anschlag, sondern ein politischer) während auf dem Paradeplatz regelmäßig christliche Spinner ihre Weltuntergangsdrohungen und Wachtürme verteilen dürfen. Kirchen sind schützenswerte Orte, Moscheen sollten allesamt vom BND überwacht werden. Nonnen geben wie selbstverständlich Schulunterricht in Roben, Muslime mit Kopftuch sind aber fanatische Symbole einer unterdrückenden Religion.

Aber auch ohne Religion ist die Diskussion um Integration auf einem ziemlich traurigen BILD-Niveau: Am liebsten würden Politiker allen Immigranten die deutsche Sprache vorschreiben und ihnen Ihre verbieten (Wollen wir dann auch gleich alle Bayern ausweisen? Live-Ticker: Deutsch ist in Deutschland nur Amtssprache, mehr nicht. Werft man einen Blick auf die Schweiz, die leben auch noch.) Wahrscheinlich kommen solche Ideen von Personen, die ihren Urlaub auf “Malle” verbringen und sich freuen, dass im Hotel alle Deutsch sprechen. Einwandern dürfen Ausländer natürlich weiterhin, vorausgesetzt sie sind von ersten Tag an fleißige, kulturell angepasste Arbeiter mit hoher Qualifikation und niedrigen Lohnvorstellungen.

Woher kommt dieser konservative Schwachsinn? Hat die CDU Angst, bald würden nicht mehr genug Leute ihre Lügen verstehen? Warum nennt man das ganze überhaupt noch Integration und nicht Gleichmacherei? Wenn das so weiter geht, herrscht hier bald Kulturinzest und Langeweile.

Es geht nicht um eine Bahnhof…

Posted in Politik on October 4th, 2010 by admin – Be the first to comment

…sondern um die Volkssouveränität & Demokratie, die von unseren Politikern anscheinend schon längst abgeschrieben wurde.

Ein normales Kind geht nicht auf Demos, sondern tritt mit 16 der CDU bei! Also selbst schuld, wenn der nette Polizist ausholt! #s21 #cdu” (Disclaimer: Es ist nicht klar, ob dieser Account ein Fake ist)

Ich wehre mich dagegen, mich unter das Diktat von Altkommunisten und Altlinken zu stellen, die in den letzten Wochen die Rädelsführer des Protestes waren

Wissen Sie, wenn Kinder in die vorderste Linie gebracht werden, von ihren Müttern, von ihren Vätern, wenn sie instrumentalisiert werden, wenn sich Mütter mit den Kindern der Polizei in den Weg stellen, dann müssen sie eben auch mit einfacher körperlicher Gewalt, nämlich weggetragen werden

Die Menschen [Protestanten] sind in zunehmender Zahl sehr unduldsam und wohlstandsverwöhnt

Bei uns entscheiden Parlamente, niemand sonst.

Demoskopie darf nicht der Maßstab unserer eigenen Meinung sein.

Die Idee einer internetweiten Verwertungsgesellschaft

Posted in Blog, Politik, Webdevelopment on August 31st, 2009 by admin – Be the first to comment

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Diesen Artikel habe ich 2009 verfasst. Bei einem Server-Crash musste das alte WordPress dran glauben und ich hatte nie die Muse, ein neues aufzusetzen. Daher habe ich jetzt aus aktuellem Anlass den alten Text (Leider ohne Kommentare) aus der DB gefischt.
–Marek, 26. April 2011
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Seit Längerem schwelgt im Netz die Diskussion, wie redaktioneller Content im Internet finanziert werden kann. Die eine Gruppe bevorzugt ein „Paid-Content“-Modell oder ein Abo-Prinzip, die anderen wollen darauf vertrauen, dass in naher Zukunft Onlinewerbung genug einbringen wird, um die anfallenden Kosten zu decken.

Ich glaube, dass es durchaus möglich ist, ein Portal rein mit Werbeerlösen zu tragen. Aber schaffen werden das höchstens die großen, reichweitenstarken Portale wie Spiegel Online oder die FTD. Kleine Portale werde dabei jedoch nicht mithalten können: Weniger Views pro Artikel bedeutet weniger Werbeeinnahmen – und das bei gleichem Erstellungsaufwand.

Paid Content und Abo-Modelle stehen dem gegenüber: Wer lesen will, muss zahlen, ob für jeden Artikel einzeln oder als monatliche Pauschale. Hier muss die Qualität wirklich stimmen – viel zu groß ist der Druck durch die kostenlose Konkurrenz.

Ich frage mich, ob in dieser Debatte nicht noch Platz sein kann für ein drittes Modell. Ich werde jetzt einfach mal ein wenig rumspinnen und versuchen zu skizzieren, wie so etwas aussehen könnte:

Eine Verwertungsgesellschaft bietet eine Mitgliedschaft für einen monatlichen Festbetrag an. Der Käufer erhält ein Browser-Plugin, mit dem er sich schon beim Verbinden mit einem Server anonym autorisiert. Internet-Seiten, die dieses System unterstützen, deaktivieren daraufhin Werbeeinblendungen bzw. schalten erst daraufhin Premium-Content frei. Der Benutzer ist jederzeit in der Lage, dieses Plugin (auch nur Domainweit) auszuschalten. Ist eine Seite sichtbar (d.h. sie wird als aktiver, sichtbarer Tab in einem aktivem Fenster angezeigt), so misst das Plugin die Besuchszeit und ermittelt daraus ein Verhältnis aller in diesem Monat besuchten „Premium“-Seiten. Die Betreiber erhalten am Ende eines jeden Monats dann einen Anteil der Gebühren, verteilt nach jeweiliger relativer Verweildauer der Nutzer.

Dieses System klingt auf den ersten Blick sehr technisch und kompliziert. Da es aber für den Benutzer sehr einfach gehalten werden kann, würde solch ein Konzept viele Vorteile bieten:

  • Bisher werbefinanzierte Seite könnten sich ein zweites Standbein aufbauen: Normale Besucher sehen weiterhin Werbung, während Besucher, die jede Sekunde für den Betreiber einen Ertrag generieren, eine werbefreie Version bereitgestellt bekommen.

  • Benutzer können sich freiwillig für dieses System entscheiden. Sie erhalten für die monatliche Gebühr einen internetweiten Zugang zu werbefreien oder sonst nicht zugänglichen Daten. Sie brauchen dafür nur einen einzigen Account, der im Idealfall durch die Browserintegration nicht einmal auffällt.

  • Seiten, die große Besuchermengen kanalisieren (soziale Netzwerke, YouTube), erhalten eine Alternative zu der immer nervigeren Werbeflut. Jedoch muss der Mehrwert erkennbar sein, denn der Besucher kann das Plugin für dieses Domain jederzeit deaktivieren, um so Einfluss auf den Verteilungsschlüssel zu nehmen.

Habt ihr Anmerkungen oder Fragen zu diesem Gedankenexperiment? Haltet ihr es für ein tragfähiges Geschäftskonzept?