DHBW Mannheim: 5 Jahre mit einem ungefixten eval()-Exploit
Posted in DHBW, Sicherheit, Webdevelopment on January 16th, 2011 by admin – 3 Comments<update>
Inzwischen habe ich eine Antwort der DH bekommen, dass das Thema im nächsten IT-Ausschuss (was und wann auch immer das ist) besprochen wird. Auch wurde mir getwittert, dass die Noten für die Zeugnisse in einer sicheren Datenbank liegen, also Änderungen keine Zeugnisse verfälscht haben.
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In unserem aktuellen Semester an der DHBW Mannheim war die Vorlesung “IT-Security” mit einem entsprechenden Projekt gekoppelt. Unsere Gruppe entschied sich, die eGroupware der DHBW Mannheim (über die die Noten und Mails der Semester 2008 und älter verwaltet wurden) einem Sicherheitscheck zu unterziehen.
Da wir verständlicherweise nicht direkt am DH-System testen durften, haben wir uns aus dem SVN der Entwickler die verwendete Version ausgecheckt und diese auf einem Testserver installiert. Dass wir irgendwas finden würden, war schnell klar: Die verwendete Version war 6 Jahre alt und wurde nie aktualisiert.
Wir vermuteten, ein paar SQL-Injections und ein paar XSS-Lücken zu finden. Unsere Erwartungen wurde jedoch übertroffen: Durch einfaches Str+F in dem Commit-Log der Entwickler konnte wir einen Fix finden, der mit “Critical” und “Security” getaggt war. Wenig später war klar, dass es sich um einen Exploit in der Library “XMLRPC for PHP” handelte, der bereits 2005 gefixt wurde und es Angreifern erlaubte, beliebigen PHP-Code via eval() auszuführen.
Höflich, wie wir sind, haben wir das Rechenzentrum der DH in einer E-Mail darauf hingewiesen. Die erste Mail wurde ignoriert, die zweite (zwei Wochen später) relativ schnell beantwortet: Ein Admin teilte mir mit, dass die betroffene Datei entfernt wurde und somit das akute Sicherheitsloch geschlossen sei. Es sei also wieder alles in Ordnung.
WTF? Welcher verantwortungslose Admin lässt ein 5 Jahre lang sperrangelweit offenes System einfach so weiterlaufen? Das System ist doch zu 95% bereits kompromittiert. Wir sind doch nicht die ersten Studenten der DH, die Commit-Logs durchsuchen können!
Ich werfe zur weiteren Erheiterung mal ein paar Fakten in den Raum:
- Es wurden 5 Jahre lang keine Updates eingespielt, nicht mal ein “CRITICAL security update” wie das betreffende 1.0.0.009-2.
- Die eGroupware verwaltete E-Mails von tausenden Studenten und somit personenbezogene Daten nach §3 BdsG. Das alleine ist ausreichend für den Gesetzgeber besondere Sorgfalt bei der Sicherheit zu verlangen. Ich bin kein Jurist, aber ich lese das Ganze so: Laut §42 (a) müssen die Betroffenen (also hier die Studenten) informiert werden. Laut §43 drohen bei Versäumnis Bußgelder bis 300.000 €.
- Die Noten aller Studenten <= 2008 wurden über dieses System ausgelesen. Es konnte also irgendeine PHP-Routine die Noten anfordern und somit konnte es auch ein Angreifer.
Ob man damit Noten verändern konnte und — wenn ja — ob diese dann Grundlage für das Zeugnis waren, lässt sich nicht sagen(Siehe Update). Bei all der Schlamperei würde es mich aber nicht wundern.- Die Passwörter der eGroupware-Benutzer werden auch für andere System der DHBW (wie Moodle, das WLAN und das neuere E-Mail-System) verwendet. Um an diese Passwörter zu kommen, reicht es, einen simplen Form-Logger in den Login-Prozess einzubauen oder (wenn der Angreifer das nötige Know-How hatte) diese mit Rainbow-Tables und dem einfach auszulesenden Security-Salt via Amazon ECS für ca. 1$/Passwort errechnen zu lassen. (Siehe dazu c’t 2/2011, Seite 151)
- In den meisten E-Mail-Postfächern werden wohl noch die Zugangsdaten für MSDNAA gelegen haben. Microsoft würde sich freuen, wen sie erführen, dass Angreifer dadurch Zugriff auf tausende von Lizenzkeys hatten.
Fazit: Es wurde ordentlich bei der IT-Sicherheit geschlampt und in Folge dessen war es 5 Jahre lang möglich, Mails von DHBW-Studenten zu lesen, fremde Noten abzufragen, eventuell Noten zu verändern, Lizenzen für Microsoft-Produkte anzufordern und das Benutzerpasswort der Studenten auszulesen. Nebenbei könnte die ganze Situation für die DH sogar rechtliche Folgen nach sich ziehen.
Inzwischen ist der eGroupware-Server abgeschaltet. Betreffend meiner zweiten, etwas direkteren Mail warte ich immer noch auf Antwort. Es bleibt also nur folgende Frage zu klären: Wie um alles in der Welt kann ein Haufen Admins in Hörweite zu IT-Security Vorlesungen es 5 Jahre lang versäumen, eine kritische Webanwendung mit Updates zu versorgen? Habt ihr euer Fachwissen im Lotto gewonnen?

Ich sitze gerade in der Bibliothek der DHBW-Mannheim (Da dürfen/können sich übrigens gerade
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