Die Idee einer internetweiten Verwertungsgesellschaft

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Diesen Artikel habe ich 2009 verfasst. Bei einem Server-Crash musste das alte WordPress dran glauben und ich hatte nie die Muse, ein neues aufzusetzen. Daher habe ich jetzt aus aktuellem Anlass den alten Text (Leider ohne Kommentare) aus der DB gefischt.
–Marek, 26. April 2011
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Seit Längerem schwelgt im Netz die Diskussion, wie redaktioneller Content im Internet finanziert werden kann. Die eine Gruppe bevorzugt ein „Paid-Content“-Modell oder ein Abo-Prinzip, die anderen wollen darauf vertrauen, dass in naher Zukunft Onlinewerbung genug einbringen wird, um die anfallenden Kosten zu decken.

Ich glaube, dass es durchaus möglich ist, ein Portal rein mit Werbeerlösen zu tragen. Aber schaffen werden das höchstens die großen, reichweitenstarken Portale wie Spiegel Online oder die FTD. Kleine Portale werde dabei jedoch nicht mithalten können: Weniger Views pro Artikel bedeutet weniger Werbeeinnahmen – und das bei gleichem Erstellungsaufwand.

Paid Content und Abo-Modelle stehen dem gegenüber: Wer lesen will, muss zahlen, ob für jeden Artikel einzeln oder als monatliche Pauschale. Hier muss die Qualität wirklich stimmen – viel zu groß ist der Druck durch die kostenlose Konkurrenz.

Ich frage mich, ob in dieser Debatte nicht noch Platz sein kann für ein drittes Modell. Ich werde jetzt einfach mal ein wenig rumspinnen und versuchen zu skizzieren, wie so etwas aussehen könnte:

Eine Verwertungsgesellschaft bietet eine Mitgliedschaft für einen monatlichen Festbetrag an. Der Käufer erhält ein Browser-Plugin, mit dem er sich schon beim Verbinden mit einem Server anonym autorisiert. Internet-Seiten, die dieses System unterstützen, deaktivieren daraufhin Werbeeinblendungen bzw. schalten erst daraufhin Premium-Content frei. Der Benutzer ist jederzeit in der Lage, dieses Plugin (auch nur Domainweit) auszuschalten. Ist eine Seite sichtbar (d.h. sie wird als aktiver, sichtbarer Tab in einem aktivem Fenster angezeigt), so misst das Plugin die Besuchszeit und ermittelt daraus ein Verhältnis aller in diesem Monat besuchten „Premium“-Seiten. Die Betreiber erhalten am Ende eines jeden Monats dann einen Anteil der Gebühren, verteilt nach jeweiliger relativer Verweildauer der Nutzer.

Dieses System klingt auf den ersten Blick sehr technisch und kompliziert. Da es aber für den Benutzer sehr einfach gehalten werden kann, würde solch ein Konzept viele Vorteile bieten:

  • Bisher werbefinanzierte Seite könnten sich ein zweites Standbein aufbauen: Normale Besucher sehen weiterhin Werbung, während Besucher, die jede Sekunde für den Betreiber einen Ertrag generieren, eine werbefreie Version bereitgestellt bekommen.

  • Benutzer können sich freiwillig für dieses System entscheiden. Sie erhalten für die monatliche Gebühr einen internetweiten Zugang zu werbefreien oder sonst nicht zugänglichen Daten. Sie brauchen dafür nur einen einzigen Account, der im Idealfall durch die Browserintegration nicht einmal auffällt.

  • Seiten, die große Besuchermengen kanalisieren (soziale Netzwerke, YouTube), erhalten eine Alternative zu der immer nervigeren Werbeflut. Jedoch muss der Mehrwert erkennbar sein, denn der Besucher kann das Plugin für dieses Domain jederzeit deaktivieren, um so Einfluss auf den Verteilungsschlüssel zu nehmen.

Habt ihr Anmerkungen oder Fragen zu diesem Gedankenexperiment? Haltet ihr es für ein tragfähiges Geschäftskonzept?

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